St. Petersburg - Helsinki 20.06.2018


St. Petersburg - Helsinki 20.06.2018
Transfer St. Petersburg - Helsinki

Mittwoch 20.06.2018
Und wieder mal ein Fahrtag, von  St. Petersburg nach Helsinki.
Wie immer steht der Wecker auf 6:30 und Frühstück ist um 7:00. Wir haben den Frühstückssaal fast Alleine und kennen uns ja schon aus.
Kurz nach 8:00 satteln wir unsere treuen Gefährte. Zwei Asiaten schauen unsere Fahrzeuge an, die sind mit drei Bussen angereist. Aber die verstehen weder schwäbisch, deutsch noch englisch. So geht es schnell in Richtung Autobahn. Da wir in der Zwischenzeit die Richtungen kennen ist es kein Problem und wir fahren in Richtung Grenze. Das Wetter scheint auf den ersten Blick ausgezeichnet zu sein, aber auf der ersten Autobahnbrücke treffen uns die ersten Böen, die unsere Geschwindigkeit bei erlaubten 100 km/h auf 70-80 km/h bremsen. Schneller geht auch mit viel Mut nicht. So werden wir dann auch von LKWs überholt, aber besser langsam und sicher. Nachdem wir die Brücken und das Stadtgebiet verlassen haben fahren wir durch Waldgebiete, dort ist es mit dem Wind wesentlich besser. Schon nach kurzer Zeit gibt es den ersten Halt. Eine Autobahn Mautstation. Kostet dann gleich mal 200 Rubel, pro Fahrzeug. Robi hat die Rubel in der Tasche und muss für uns beide zahlen. Ich weiß nicht wie, aber die russische, nicht in der englischen oder deutschen Sprache ausgebildete Kassiererin erklärt uns, dass wir nur einzeln durch die Schranke fahren dürfen. Dazwischen muss die Schranke schließen. Es geht weiter durch die Wälder, das könnte auch in Schweden, Finnland oder Kanada sein. Sieht überall gleich aus. Die Straße, daneben nochmals die gleiche Breite mit Gras und dann Bäume, Bäume und dazwischen Bäume. Wobei es nicht ohne Abwechslung ist, denn manches mal sind es Birken und in anderen Gebieten wiederum Nadelbäume. Und dann erscheint schon wieder eine Mautstelle. Es werden nochmals 100 Rubel pro Fahrzeug fällig und es geht zügig weiter. Die Straßen sind hervorragend, dort wo das nicht zutrifft sind Baustellen, wo der Straßenbelag erneuert wird. Solche Autobahnen können wir uns in Deutschland nur noch wünschen. Die vierspurige Autobahn endet nach ca. 80 km und es ist eine breite “Bundesstraße”, die uns weiter zur russisch/finnischen Grenze führt. Auch diese Straße st in sehr gutem Zustand, wirklich. Dann wird es Zeit, das erste mal in Russland zu tanken. Eine Shell Tankstelle angefahren und den 95 Sprit getankt. Es gibt 92 und 95, aber keinen 98 wie bei uns. Und keine E10 Billigbrühe. Der Preis liegt bei 45 Rubel, was derzeit 62 Cent sind. An der Kasse werden wir gleich gefragt, ob wir eine Kaffee wollen und wir bestellen einen Cappuccino Grande. Bar bezahlt, da wir unsere Rubel loswerden wollen. Der Kaffee ist das erste schlechte, was wir in Russland zu uns genommen haben. Schmeckt wie Blümchenkaffee in der DDR. Es gibt dann doch noch ein paar kleine Unterschiede.
Nach dieser kurzen Erholungspause geht es weiter in Richtung Grenze. Schon rund 50 km vor der Grenze ist die erste Kontrolle, Pass und Fahrzeugschein wird kontrolliert. Wir sehen einen Fluss bzw. Kanal, der links und recht mit Lampen markiert ist. Vielleicht haben die die Landesgrenze verlegt. Ist aber nur die Befeuerung für die Kanäle, auf denen die Waren zwischen Finnland und Russland ausgetauscht werden. Schon nach weiteren 20 km die nächste Kontrolle, Puf = Pass und Fahrzeugschein, werden erneut kontrolliert und es geht weiter zur Grenze. Im Grenzgebiet ist es hügelig und kurvig, eigentlich sehr schön zum Motorradfahren, aber Geschwindigkeitsbegrenzung auf 60 km/h. Das  ist auch gut so, denn ein Reh kreuzt kurz vor uns die Straße. Und dann sehen wir Sie, die Grenze. Mit unserer Erfahrung vom letzten Grenzübertritt wind wir nur wenig optimistisch eingestellt. Schon auf der russischen Seite gibt es eine extra Spur für EU Reisende, also Personen, die aus der EU stammen. Dort reihen wir uns ein. Das Gepäck wird gar nicht kontrolliert und wir zeigen mal wieder PuF. In der Warteschlange spricht uns eine finnische Autofahrerin an und klärt uns über den weiteren Verlauf auf. Wenn wir die russische Kontrolle passiert haben müssen wir an der Schlange der russischen Autos auf der LKW Spur vorbeifahren und uns in die EU Schlange vorne wieder einreihen. Aber zuerst gilt es die russischen Stationen hinter uns zu bringen. Zuerst den Zoll, wo unsere temporären Importe unserer Motorräder wieder aufgelöst werden und dann die Pass und Visakontrolle, wo unsere Visa dann entwertet werden. Ein freundlicher Grenzbeamte hilft uns etwas weiter, so dass wir die Motorräder mittendrin abstellen können und direkt mit unseren Papieren zu den zwei Stationen gehen können. Das klappt dann auch problemlos, allerdings kommen wir an der Schlange nicht vorbei, sodass der Zeitvorteil leider entfällt. Aber dann geht es weiter nach Finnland und wir wissen, dass wir die LKW Spur benutzen können - sollen - dürfen. Scheint auch zu stimmen, wir fahren an 200 bis 300 russischen einreisewilligen Fahrzeugen vorbei. Nur an der EU-Spur ist ein rotes Kreis, also gesperrt. Dann fahren wir halt zu einer allgemeinen Spur, die frei ist. Und man glaubt es kaum, noch einmal PuF und wir sind durch, zumindes bis zur letzten Kontrolle und Schranke. Aber dann ist wirklich Schluss und wir sehen finnische Straßenschilder und ein EU-Schild. Und was folgt dann? Ja, eine Pinkelpause in einem europäischen Wald. Dann fahren wir erleichtert weiter, nur 1 ½ Stunden um aus Russland nach EU-Land zu kommen, traumhafte Zeiten. Das gibt uns auch die Möglichkeit unseren geplanten Schlenker in Richtung Norden zu fahren. Und es lohn sich wirklich, die Landschaft ist recht abwechslungsreich, die Straßen klein, kurvig und in gutem Zustand. Bevor wir wieder ein Stück Autobahn nehmen, gönnen wir uns eine Pause und essen das erste Mal Hesburger, eine finnische Kette, die wir bereits in den baltischen Staaten und Russland häufig gesehen haben. Schmeckt gut und die Pause tut gut. Das Wetter ist in der Zwischenzeit optimal, 22 °C und der Wind ist abgeflaut. Ein paar kurze Stopps an schönen Stellen und noch eine Tankstopp bringen uns Helsinki immer näher. Zeitvorteil haben wir auch noch, wir bekommen wieder 1 Stunde geschenkt. So kommen wir gegen 18:00 am Hotel an. Leider ist der Motorradstellplatz in einer Tiefgarage zwei Straßen entfernt. Natürlich Einweg Straßen, sonst wäre es unnötig einfach. Wir packen ab und fahren zur Tiefgarage. Finden die dann auch, nach einer Wende im Innenhof des Nachbarhauses. Im 3. Untergeschoss ist dann unser Stellplatz und wir suchen die Weg zurück an die Oberwelt. Anscheinend haben wir es geschafft, denn wir schreiben noch. Das Hotel ist rund 400 m entfernt. Schnell das Zimmer bezogen und wir fragen an der Rezeption nach einem guten Lokal in der Nähe. Das Naturals wird uns empfohlen, gleich in der nächsten Querstraße. Also rein und wir erhalten gleich einen Sitzplatz direkt am Fenster. Guter Anfang. Dann noch schnell ein Feierabendbier geordert damit wir Zeit für die Speisenauswahl haben. Leider ist es im Lokal sehr laut, das ist im Nachhinein das Einzig Schlechte.
Die Speisekarte ist übersichtlich, zwar auch auf englisch, aber nur schwer zu verstehen. Es ist wohl üblich eines der 4 Menüs zu ordern. Also machen wir das. Nur Austern schließen wir kategorisch aus. Wir wählen das kleine um 39 EUR. Aber was sollen wir dazu trinken? Natürlich die kleine Weinbegleitung um 39 EUR. Schauen wir mal mit was wir verwöhnt werden. Bemerkenswert sind noch das Personal. Die Küche ist vom Gastraum aus zu sehen. Wir werden von zwei Personen bedient, eine Bedienung und einem Bediener. Die Bedienung ist eine biblische Gestalt, eine lange dürre folgte Ihm. Sie ist ca. 2 m lang und spindeldürr. Der Bediener ist Normalformat, hat aber die rechten Backe einen dicken Knuppel. In Finnland schein in früheren Zeiten schon der Genpool knapp gewesen zu sein. Aber Essen und trinken ist hervorragent, Zu den georderten Gängen gibt es noch einen Gruß aus der Küche und es wird uns noch ein Zwischengang empfohlen. Ein Finnischer Käse und dazu einen Ungarischen Tokajer Wein. Herber Käse und süßer Wein, eine schöne Geschmackserfahrung. Also das Essen vom ersten bis zum letzten Gang hervorragend. (Marinierter Fisch, gegrillter Kartoffelbällchen mit Fisch, Brokkoli gegrillt, finnisches Rindfleisch, Käse und dann noch ein Sorbet mit Zitrone und Waldbeeren) Zum Schluss noch eine Espresso. Zu jedem Gang, außer dem Espresso, gab es noch den passenden Wein. Aus Österreich, Deutschland, Frankreich, Italien und Ungarn. Zusammen eine richtige Gaumenfreude und auch richtig sättigend aber nicht zu viel. Bisher noch ohne Preis. Während der zwei Stunden Genuß haben wir eine kleine Fußgängerzone im Blick. Die Kleidungsordnung ist auffällig. Männlein mit knallgelben Hosen, rot gestreiftes Hemd und Hut, dazu zweifarbige Schuhe. Weibliche Wesen mit Farb und Stilkombinationen die entweder aus der Kleiderhilfe oder vom Nobeldesigner stammen müssen. Das quietsch so richtig im Auge. Dazu die Fahrräder der Finnen. Entweder fahren die nur alten Scheiß, oder das sind designer Vintage Räder. Die meisten haben keine Vorderbremse und eine Schaltung ist nicht zu sehen. Maximal Sax dreigang Nabenschaltung. Mit dem Rennrad über das Kopfsteinpflaster, aber mit Anzug und Hut. Und wie gesagt, wir können nicht erkennen ob es Flohmarkt oder Vintagelook ist. Allgemein gibt es nur Dünne oder Dicke. Das fällt es uns schwer uns einzuordnen.
Nach dieser Show sollten wir noch etwas krampflösenden haben. Aber wir finden nach 22:00 keinen offenen Alkoshop mehr. Dann halt Zähneputzen, pullern und ab ins Bett.

Gefahrenen Kilometer 498

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